SCHILLER IM INTERVIEW : „GRAS WÄCHST NICHT SCHNELLER, WENN MAN DRAN ZIEHT.”

Christopher, wie geht es Dir? Was machst Du gerade?

Danke der Nachfrage, es geht mir wunderbar. Ich arbeite gerade intensiv an den Vorbereitungen zur Klangwelten Tour. Die beginnt zwar erst im Herbst, aber es ist schon erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht. Da kann man gar nicht früh genug anfangen. Langsam aber sicher nimmt die Setlist schon Gestalt an. Ich kann es kaum abwarten, wieder unterwegs zu sein. Zusammen mit dem Publikum Abend für Abend auf eine Klangreise zu gehen, das ist ein großes Geschenk.

Kannst Du uns schon Details verraten?

Könnte ich, mache ich aber nicht (lacht). Es gibt noch so wahnsinnig viel zu tun und zu überlegen. Ist also noch etwas früh für Konkretes. Aber ich kann schon mal verraten, dass die neue Klangwelten Tour ein spannender Neustart wird. Jetzt aber bitte nicht gleich Angst bekommen – an der Grundkonzeption wird sich natürlich nichts ändern. Es wird elektronische SCHILLER–Klänge zu hören geben, rein instrumental und in wunderbarem Surround–Sound. Die letzte Klangwelten–Tour ist ja schon vier Jahre her, darum möchte ich den Zuschauern in diesem Jahr auf jeden Fall etwas Neues bieten.

Im Audiokommentar zu „Zeitreise Live” hast Du davon gesprochen, vielleicht einmal ein Konzert zu spielen, welches ausschliesslich auf dem Track „Berlin Moskau” basiert. Können wir annehmen, dass dieser Titel ein Teil der Klangwelten–Setlist sein wird?

Du gibst aber auch nicht auf (lacht). Tatsächlich hat sich „Berlin Moskau” in den letzten Jahren immer wieder weiterentwickelt. Es ist ähnlich wie „Ultramarin” oder „Salton Sea” einer der Tracks, die buchstäblich in letzter Sekunde vor der jeweiligen Albumabgabe entstanden. Während ich an anderen Stücken teilweise monatelang gearbeitet und gefeilt habe, sind diese Songs einfach so passiert. Kann man nicht anders beschreiben. Manchmal ist Zeitdruck eben doch ganz heilsam (lacht). Und im Falle von „Berlin Moskau” hat sich die eigentlich ja sehr einfache Hauptsequenz von Tour zu Tour weiterentwickelt. Bin selber überrascht und könnte da immer wieder stundenlang zuhören. Die Nummer hat eine geheimnisvolle, fast schon hypnotische Wirkung. Aber um auf Deine Frage zurückzukommen: Ja, wir werden „Berlin Moskau” spielen. Aber in einer Version, wie es sie bisher noch nicht gab. Habe ich jetzt zuviel verraten?

Nein, eher zu wenig.

Na das ist doch gut. Die Spannung steigt (lacht).

Schwerelos
SchwerelosKlangwelten Live 2017 – Tourstart: 02. Oktober

Im letzten Jahr warst Du nonstop aktiv. Du hast das Studioalbum „Future” veröffentlicht, eine aufwendige Arena–Tour organisiert und dann noch den Konzertfilm „Zeitreise Live” produziert. Woher nimmst Du die Energie?

Wenn ich das bloß wüsste. Am Espresso–Konsum alleine kann es ja nicht liegen (lacht). Mein Leben mit Musik verbringen zu können ist auf jeden Fall ein großes Geschenk. Ich liebe jede Sekunde. Klar, es gibt Phasen, in denen ich wohl etwas mehr schlafen sollte. Aber alles das, was ich mache, geschieht aus tiefer Leidenschaft und extremer Freude an der Sache. Das nehme ich dann natürlich nicht in erster Linie als „Arbeit” wahr. Musik bestimmt mein Leben, und irgendwie bestimmt mein Leben auch die Musik. Glaube ich zumindest.

Das Leben ist eine Reise, auf der sich ständig Neues entwickelt. Das braucht alles seine Zeit. Ich kann sehr ungeduldig werden, vor allen Dingen dann, wenn mir etwas nicht so gelingt, wie ich es mir vorstelle. Einen Sound oder eine Stimmung im Kopf zu haben und dann zu versuchen, das Ganze in hörbare Klänge umzuwandeln – das kann dauern. Manchmal gelingt es auch gar nicht. Da gibt es dann doch immer wieder Zweifel und dunkle Momente. Unlängst habe ich diesen Satz aufgeschnappt: „Gras wächst nicht schneller, wenn man dran zieht.” Wie wahr. Das sage ich mir jetzt auch jedes Mal, wenn ich das Gefühl habe, kurz vor dem Scheitern zu stehen (lacht).

Den Satz werde ich mir merken. Machst Du denn immer alles komplett alleine?

Ich habe das große Glück, ein phantastisches Team um mich zu haben. Wir kennen uns teilweise schon seit dem letzten Jahrtausend (lacht). Diese Kontinuität ist mir sehr wichtig. Manchmal ist es aber auch gut, Verbindungen, die auserzählt sind, zu verändern. So oder so: Ganz alleine und ohne Unterstützung könnte ich das alles trotz ausgeprägtem Größenwahn niemals schaffen (lacht).

Und das Publikum?

Dazu wollte ich gerade kommen. Das Publikum spielt dabei natürlich die entscheidene Rolle. Denn ohnedem würde es SCHILLER ja gar nicht geben können. Der Energieaustausch im Rahmen einer Tour setzt auf jeden Fall ungeahnte Kraft frei, das hat schon etwas ungeheuer magisches.

Kunst.Stoff: Kulturmagazin auf Sky Arts
Kunst.Stoff: Kulturmagazin auf Sky ArtsSCHILLER und Kat Kaufmann

Was hat Dich dazu bewogen, als Interviewer vor der Kamera in Erscheinung zu treten?

Du meinst das Kulturmagazin „Kunst.stoff” auf Sky Arts?

Ja genau. Was hat Dich daran gereizt? So kennt man Dich ja gar nicht.

Stimmt. Das stand auch nicht unbedingt ganz oben auf meiner Wunschliste. Wie so oft im Leben beruhte das auf einem unerwarteten Zufall. Die Klangwelten Tour wird ja vom TV–Sender Sky präsentiert. Dazu gab es eines dieser Meetings, zum Glück aber ein sehr konstruktives. Scheinbar hatte ich einen guten Tag, und wir haben uns, so sagt man wohl, die Bälle gut zugespielt. Mit am Tisch saß eine Redakeurin von Sky Arts. Die Idee zu „Kunst.stoff” war seitens des Senders offenbar gerade erst im Begriff, geboren zu werden. Ich wurde also unter dem Eindruck dieses Meetings gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, Künstler und Kulturschaffende zu treffen, um mich mit ihnen vor der Kamera zu unterhalten. Für ein paar Momente habe ich gezögert, weil ich so etwas ja noch nie gemacht habe. Das war dann aber genau der Grund, „Ja” zu sagen: Weil es etwas vollkommen Neues ist und weil ich sehr gerne Menschen treffe, die sich ihre eigene Welt erschaffen. Bringt mir wirklich viel Freude die Sendung. Und glücklicherweise mache ich das nicht alleine, denn mit der Schriftstellerin Kat Kaufmann habe ich eine bezaubernde Partnerin an meiner Seite. Wir sind fast immer unterschiedlicher Meinung und spielen uns gegenseitig immer wieder hochinteressante Bälle zu (lacht).

LEA 2017
LEA 2017SCHILLER–Performance beim Live Entertainment Award in der Frankfurter Festhalle

Zurück zur Musik. Du hast eine aufwendige Laser–Performance im Rahmen des LEA 2017 aufgeführt. Wie kam es dazu?

Einmal im Jahr wird in der Frankfurter Festhalle der LEA, also der Live Entertainment Award verliehen. Das ist so etwas wie der Oscar für Live–Events. Scheinbar hat die letzte SCHILLER–Tour einen gewissen Eindruck hinterlassen, so daß man mich fragte, ob ich nicht Lust auf eine Live–Performance hätte. Hatte ich natürlich sofort. Zusammen mit einem Streicher–Ensemble habe ich dann „Schwerelos” aus dem Album „Future” gespielt. Dazu gab es eine epische Laser–Installation. Hat großen Spaß gemacht! Außerdem war es eine gelungene und respektvolle Veranstaltung in einem stilvollen Rahmen.

Anders als der „Echo”?

Können wir bitte das Thema wechseln? (lacht)

Analoges Synthesizer Setup
Analoges Synthesizer SetupPhoto: Thomas Rabsch

In Ordnung, verstehe schon. Du hast Dein Live–Setup komplett auf analoge Synthesizer umgestellt. Hat das einen besonderen Grund?

Ich habe immer schon ein Faible für analogen Sound gehabt. Im Studio war das auch ganz einfach, denn da konnte man sich genügend Zeit lassen, um aus den Biestern etwas Brauchbares herauszubekommen. Auf der Bühne war das hingegen gar nicht so einfach. Die alten Synthesizer waren sehr störanfällig, haben sich oft verstimmt und waren ungeheuer wartungsintensiv. Aber seit einigen Jahren erleben analoge Klangerzeuger eine wahre Renaissance. Es gibt tolle neue Synthesizer mit einem wunderbaren Analogsound, die aber robust und betriebssicher sind. Trotzdem bieten sie genügend Spielraum, um während des Konzerts den Klang zu verändern und zu manipulieren. So wird jeder Abend zu einer kleinen Entdeckungsreise.

Wann können wir denn mit einem neuen SCHILLER–Album rechnen?

Eine gute Frage. Die nächsten Monate stehen auf jeden Fall im Zeichen der Klangwelten Tour. Hatte ich schon erwähnt, wie sehr ich mich darauf freue? Es gibt schon ein paar Ideen für neue Stücke. Vielleicht werden wir auf der Tour ja schon Gelegenheit haben, den einen oder anderen neuen Titel zu spielen. Mal sehen.

Christopher, Danke für das Gespräch und Deine Zeit.

Sehr gerne.

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KLANGWELTEN LIVE 2017 – ELEKTRONIK PUR

02.10. Dortmund
03.10. Saarbrücken
04.10. Gera
05.10. Würzburg
06.10. Augsburg
07.10. Mannheim
08.10. Fulda
09.10. Stuttgart
10.10. Karlsruhe
11.10. Düsseldorf
12.10. Osnabrück
14.10. Flensburg
15.10. Neuruppin
16.10. Bremen | Zusatzkonzert
17.10. Wuppertal
18.10. Frankfurt/Main
19.10. Worms
20.10. Lingen
21.10. Kassel
22.10. Leipzig
23.10. Cottbus
24.10. Erfurt
25.10. Halle
26.10. Jena

27.10. Zürich
28.10. Basel
30.10. Dresden
31.10. München
01.11. Bern
02.11. Erlangen
03.11. Zwickau
04.11. Chemnitz
05.11. Ravensburg
08.11. Essen
09.11. Hamburg
10.11. Hannover
11.11. Neubrandenburg
12.11. Magdeburg
13.11. Potsdam
14.11. Kiel
15.11. Bremen
16.11. Neubrandenburg
17.11. Brandenburg
18.11. Schwedt
19.11. Gütersloh | Ausverkauft
20.11. Neunkirchen
21.11. Regensburg
22.11. Berlin

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