Hinter den Kulissen von „Euphoria”: Producer/DJ 8Kays
Ich glaube, Musik ist eine abstrakte Sprache, und jeder hört und empfindet durch sie etwas anderes.
8KAYS
Wir möchten Euch nach und nach die Künstler hinter „Euphoria“ vorstellen. Hier ist ein Interview mit 8Kays, der den Titelsong für das neue Nummer-1-Album mitgeschrieben hat.
Was hat dich ursprünglich dazu gebracht, Produzent und Komponist zu werden?
Bevor ich mit dem Produzieren angefangen habe, war ich DJ. Wie viele DJs war ich vor allem ein leidenschaftlicher Musikliebhaber. Ich glaube, es kommt für jeden DJ irgendwann der Moment, an dem man entweder die Musik, nach der man sucht, nicht mehr wirklich findet – oder das Bedürfnis verspürt, tiefer in den kreativen Prozess einzutauchen. Bei mir traf beides zu. Ich war unglaublich neugierig auf die Welt der Musikproduktion. Am Anfang fiel es mir schwer, mich zu fokussieren und wirklich bei null anzufangen, aber mit der Zeit hat mich dieser Prozess vollkommen in seinen Bann gezogen und ist zu etwas geworden, das ich sehr genieße.
War es eine klare Berufung oder eher ein leiser, schleichender Impuls?
Es war keine plötzliche Entscheidung und auch keine klare Berufung. Da Musik mich schon immer begleitet hat und ich viel Zeit damit verbracht habe, sie zu spielen, bin ich langsam an einen Punkt gekommen, an dem Selbstausdruck durch eigene Musik für mich unverzichtbar wurde. Der Schritt in die Produktion geschah ganz allmählich und organisch. Es war ein Prozess, der sich über die Zeit entwickelt hat, nichts Unmittelbares oder Überstürztes.
Wonach hast du gesucht – kreativ oder emotional – bevor Musik zu deinem Beruf wurde?
Bevor Musik mein Beruf wurde, habe ich als Anwalt gearbeitet. Kreativ und emotional war die Musik jedoch immer der Ort, an dem mein Herz lag. Ich hatte den Wunsch, mich ihr ganz hinzugeben – sie zu dem einen Raum werden zu lassen, der mich vollständig aufnimmt, ohne Ablenkung. Musik war eine konstante Präsenz in meinem Leben, sie hat mich emotional geprägt und mich durch verschiedene Lebensphasen begleitet. Sie fühlte sich an wie eine enge Freundin – etwas, das mich mit anderen verbindet und mir in jeder Lebenslage Kraft, Trost und emotionale Energie schenkt.
Welcher Teil deiner kreativen Identität hat am längsten gebraucht, um verstanden oder akzeptiert zu werden?
Ich habe das Gefühl, dass ich immer noch dabei bin, verschiedene Facetten meiner kreativen Identität zu entdecken und zu verstehen – und genau darin liegt für mich die Schönheit des Musikmachens. Es ist ein endloser Prozess, in dem man ständig etwas Neues freilegt und sich gleichzeitig selbst besser kennenlernt.
Wenn ich jedoch den herausforderndsten Teil benennen müsste, dann wäre es, meinen eigenen Musikgeschmack wirklich zu akzeptieren. Zu lernen, meiner Intuition zu vertrauen, auf mein inneres Gefühl dafür zu hören, was sich richtig anfühlt, und mir selbst mehr Freiheit zu erlauben – jenseits der äußeren Rahmen, insbesondere jener, die von der Musikindustrie geprägt sind.
Was sind deine Träume im Moment – nicht nur berufliche Ziele, sondern tiefere Wünsche für dich und dein Leben?
Im Moment befinde ich mich in einer Phase des Umdenkens – sowohl in Bezug auf meine Musik als auch auf meine künstlerische Sprache. Ich spüre den Wunsch, mich noch einmal neu zu formen, neue Seiten meiner musikalischen Identität zu öffnen und ihr Raum zu geben, sich auf natürliche Weise weiterzuentwickeln.
Mehr als alles andere wünsche ich mir innere Freiheit – diese Freiheit im eigenen Kopf, die es mir erlaubt, mutigere und ehrlichere Entscheidungen zu treffen, ohne Angst und ohne zu viel Nachdenken.
Wenn du auf deinen bisherigen Weg zurückblickst: Was hat dir die Musik gegeben, was nichts anderes konnte?
Musik ist mein Leben. In diesem Sinne könnte man sagen, dass Musik mir das Leben gegeben hat.
Sie ist eine eigene Welt, eine parallele Existenz, in die man eintritt und die man wirklich lebt. Und wie das Leben selbst besteht sie nicht nur aus Euphorie und Freude. Sie enthält ebenso Zweifel, Verletzlichkeit, Stille und Kampf.
Wie ist die Zusammenarbeit mit SCHILLER in dein Leben getreten, und warum hat sie sich für dich so bedeutungsvoll angefühlt?
Die Zusammenarbeit mit Christopher fühlte sich wie eine unerwartete Wendung des Schicksals an. Ich habe seine Musik schon sehr lange geliebt – seine Tracks waren bei mir, seit ich angefangen habe, elektronische Musik bewusst zu hören. Damals hat seine Arbeit meinen musikalischen Geschmack stark geprägt, und seine Musik ist bis heute bei mir geblieben.
Gleichzeitig ist seine Musik eng mit einer bestimmten Phase meines Lebens und mit Menschen verbunden, die mir zu dieser Zeit sehr wichtig waren. Dadurch trägt sie für mich eine sehr persönliche Bedeutung in sich – sie ist nicht nur Klang, sondern Erinnerung und gelebte Erfahrung.
Genau deshalb fühlte sich die Zusammenarbeit so besonders an. Es war surreal, mit einem Künstler zu arbeiten, dessen Musik früher still in meinen Playlists existierte – und dabei nicht nur einen außergewöhnlichen Musiker kennenzulernen, sondern auch einen aufrichtig offenen und warmherzigen Menschen. Diese Offenheit hat den gesamten kreativen Prozess sanft, natürlich und zutiefst inspirierend gemacht.
Was hast du durch die gemeinsame Arbeit an diesem Album über dich selbst als Künstler entdeckt?
Während der Studioarbeit an unserem Track „Euphoria“ mit Christopher habe ich etwas sehr Wesentliches erkannt: Erfahrung, Hintergrund oder sogar musikalische Vorlieben sind längst nicht so entscheidend, wie man oft denkt. Wenn echte musikalische Synergie entsteht, wird man zu einem Ganzen – und genau dann kann etwas wirklich Bedeutungsvolles entstehen.
Ich glaube sehr an diese besondere Back-to-back-Studioenergie, wenn zwei Menschen gemeinsam kreieren und ihre Energien beginnen, sich miteinander zu verweben. In solchen Momenten fühlt sich Musik weniger wie ein konstruierter Prozess an, sondern vielmehr wie ein gemeinsamer Fluss.
Gleichzeitig habe ich mit großer Freude festgestellt, dass Christopher und ich in vielen Dingen sehr ähnliche Ansichten teilen – musikalisch, aber auch darüber hinaus. Dieses gemeinsame Verständnis hat den gesamten Prozess noch weicher, freudvoller und ganz natürlich werden lassen.
Wie findest du bei Kollaborationen die Balance zwischen Offenheit und dem Treubleiben deiner eigenen künstlerischen Stimme?
Während der Arbeit mit Christopher hatte ich nie das Gefühl, bewusst etwas ausbalancieren zu müssen. In dieser Zusammenarbeit existierte diese Spannung schlichtweg nicht.