Hinter den Kulissen von „Euphoria”: Fotograf Nikita Hlazyrin
Ich lebe nach dem Ruf meines Herzens – und jeder Tag bringt neue Farben, Menschen und Momente mit sich.
Für mich ist Fotografie kein Beruf. Sie ist eine Art zu atmen.
Nikita Hlazyrin
Wir möchten Ihnen nach und nach das Team hinter „Euphoria“ vorstellen. Den Anfang macht Nikita Hlazyrin, der einige der großformatigen Fotos aufgenommen hat. Die Bilder entstanden im Juli 2025 in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Sie wurden mit analoger Technik und einer Mittelformatkamera aufgenommen.
Wie bist du zur Fotografie gekommen? Gab es einen bestimmten Moment oder Einfluss?
Ich bin in einer kleinen Stadt aufgewachsen, umgeben von Natur: dichten Wäldern, endlosen Gärten, ruhigen Flüssen. Als ich etwa 12 Jahre alt war, kaufte meine Mutter eine einfache Kamera für Familienfotos – und plötzlich fotografierte ich alles: Tau auf dem Gras, Sonnenuntergänge, den Hund des Nachbarn, der Schmetterlingen hinterherjagte. Da wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass man Schönheit einfrieren kann, damit sie nie verblasst.
Wie sah Deine frühe fotografische Laufbahn aus?
Als Teenager war ich besessen von urbanen Bike-Extremsportarten – Adrenalin, Geschwindigkeit, Sprünge. Damals wurde die Kamera zu meinem besten Freund: Ich wollte nicht nur die Bewegung einfangen, sondern auch das Gefühl des Fliegens, diese rohe Energie. Die Fotografie holte mich aus meiner Hülle heraus, half mir, mit Menschen in Kontakt zu treten, und wurde zu einer Brücke für echte Gespräche durch Bilder.
Erste Jobs, erste Schritte?
Zuerst habe ich alles und jeden ununterbrochen fotografiert – Freunde, Straßen, Partys. Dann fingen Freunde an, über mich zu sprechen, und die ersten bezahlten Aufträge kamen herein: Partys, Hochzeiten, persönliche Fotoshootings. Diese ersten Gehaltsschecks fühlten sich wie Zauberei an – ich entdeckte, dass Kreativität nicht nur die Seele nähren kann. Die größte Herausforderung damals? Mich selbst dazu zu bringen, jedes Bild perfekt zu machen, 200 % zu geben, damit die Menschen sich so sehen konnten, wie ich sie sah.
Wie würdest du deinen fotografischen Stil in ein paar Worten beschreiben?
Dokumentarisch + cineastisch, mit einem Hauch kreativen Wahnsinns. Ich liebe es, das Leben so zu zeigen, wie es wirklich ist — ehrlich, roh, ungefiltert — aber immer durch meine eigene Linse, mit einem emotionalen Nachhall, der bleibt.
Welche Arten von Fotografie machen dir am meisten Spaß – und warum?
Ich liebe sorgfältig geplante Shootings mit einem Team, bei denen jedes Detail — Licht, Styling, Stimmung — der Idee dient.
Aber die wahre Magie entsteht oft eins zu eins: ziellos durch die Stadt streifen, spontane Entscheidungen treffen, ein bisschen Street-Grit einbauen, echte Lacher, ungefilterte Emotionen. Diese Bilder bleiben im Kopf, weil sie pulsieren vor echtem Leben.
Welche Ausrüstung nutzt du aktuell? Gibt es Must-haves?
Ausrüstung ist für mich wie Pinsel für einen Maler — jedes Teil hat seine eigene Seele.
Nikon F3 — meine treue 35mm-Vollformat-Filmkamera, seit über 8 Jahren an meiner Seite. Kompakt, zuverlässig und immer gut für diesen „Wow“-Moment. Ich nehme sie fast auf jeden Spaziergang mit — sie lässt mich nie im Stich.
Pentax 67 — Mittelformat (120 Film). Ich habe viele Mittelformatkameras ausprobiert, bin aber bei dieser geblieben wegen ihres Handlings und der bombenfesten Bauweise. Volumen, Perspektive und Bildqualität sind auf einem ganz anderen Level — jedes Bild fühlt sich wie ein kleines Meisterwerk an, auch wenn sie Geduld verlangt.
Sony A7 IV — mein digitaler Allrounder, besonders für Video und schnelle Produktionen.
Weitwinkelobjektive sind mein Ding — ich liebe es, den ganzen Raum ins Bild zu ziehen.
Mein absolutes Must-have? Film. Ohne ihn fehlt mir ein Teil von mir selbst
Wie sieht dein kreativer Prozess aus, wenn du an ein neues Shooting herangehst?
Alles beginnt mit einem Funken — einer Idee. Danach bauen sich Schicht für Schicht die Elemente auf: Location, Stimmung, Kleidung, Tageszeit, gegebenenfalls zusätzliches Licht und schließlich die Wahl der Kamera, um genau die richtige Emotion einzufangen.
Doch das Fundament ist innere Balance. Für mich bedeutet das Morgenrituale: Kaffee, Training, mich um meine Pflanzen kümmern, Ordnung halten. Wenn der Raum um mich herum ruhig und lebendig ist, kommt die Inspiration ganz von selbst.
Was motiviert oder inspiriert dich als Fotograf?
Menschen. Ohne sie wirkt jede Szene leer. Jeder Mensch ist ein ganzes Universum — mit eigenen Geschichten, Emotionen und Blicken. Menschen erschaffen die echten Handlungen, die es wert sind, immer wieder erzählt zu werden.
Was ist deine persönliche Mission oder Philosophie als Fotograf?
Die Welt weiterhin mit Schönheit zu füllen. Schönheit — in Architektur, Kleidung, Musik, menschlichen Gesichtern — ist immer das Ergebnis von Liebe, harter Arbeit und Großzügigkeit der Künstler:innen. Ich glaube, dass Schönheit den Geist erheben, heilen und uns zu unserer Menschlichkeit zurückführen kann. Sie ist der Anfang von allem Guten.
Wie sollen sich Menschen fühlen, wenn sie deine Arbeiten sehen?
Ich möchte den Wunsch nach Bewegung auslösen. Denn Bewegung ist Leben — Wachstum, neue Horizonte. Wenn jemand nach dem Betrachten meiner Bilder aufsteht, nach draußen geht, einen geliebten Menschen umarmt oder einfach tiefer durchatmet — dann habe ich mein Ziel erreicht
„Gemeinsam mit SCHILLER (Christopher von Deylen) haben wir eine Serie von Schwarz-Weiß-Porträts vor brutalistischer Architektur realisiert. Die strenge Geometrie des Betons trifft dabei auf seine introspektive Präsenz — eine Verbindung, die direkt an die Themen des Albums anknüpft: Freiheit, Widerstandskraft und inneres Licht.
Das Shooting entstand spontan, intuitiv, dem Herzen folgend.
Die Bilder wirken wie ein leises, aber kraftvolles Statement: eine kleine menschliche Figur vor monumentalen Strukturen, die stille Stärke und innere Strahlkraft ausstrahlt.”