Hinter den Kulissen von „Euphoria”: Das Filmteam von htnh.de

Nico, Maxi und Jan von htnh.de


Sei immer offen gegenüber neuen Menschen, Erfahrungen und Orten.

HTNH.DE


Wir möchten Euch nach und nach die Künstler hinter „Euphoria“ vorstellen. Hier ist ein Interview mit Nico, Maxi und Jan von htnh.de. Neben diversen phantastischen Recaps haben sie die atemberaubenden Dokumentationen „Berlin Kyiv” und „Taktwechsel” sowie den „Wanderlust” Konzertfilm gedreht.


Wie seid ihr ursprünglich zum Filmemachen gekommen?

Unsere Wege ins Filmemachen begannen nach dem Abitur . Eine Zeit, in der wir nicht genau wussten, wohin unsere Reise gehen sollte. Aber das Bedürfnis, uns kreativ und visuell auszudrücken, war bei uns allen stark.

Über verschiedene kreative Studienrichtungen hinweg haben wir schließlich unsere gemeinsame Leidenschaft entdeckt und vertieft

Gab es einen bestimmten Moment oder eher einen schleichenden Prozess?

Es gab von Anfang an Interessenschwerpunkte, ob Bewegtbild oder Fotografie. Im Laufe der Zeit haben wir gemerkt, dass wir im Filmischen so viel mehr ausdrücken und erzählen können. Einen entscheidenden Moment gab es aber nicht.

Was hat euch besonders zur Arbeit an Dokumentationen hingezogen — im Vergleich zu anderen Filmformen?

Eine filmische Dokumentation ist in ihrem Prozess so wunderschön unperfekt. Vieles lässt sich nicht im Vorhinein einsehen, vieles verläuft ganz anders als gedacht und wir dürfen Teil einer ganz anderen Welt werden.

Die emotionale Distanz, die normalerweise durch die Linse besteht, schwindet so von Tag zu Tag. Diese rohe Verbundenheit mit einem vollkommen neuen Thema hat uns einfach in ihren Bann gezogen.

In Folge dessen können wir den Zuschauern eine authentisch echte Perspektive auf Menschen und ihre Herausforderungen geben. Und das fühlt sich in der heutigen Zeit mehr als richtig an.

Was ist euch bei einer guten Dokumentation am wichtigsten?

Natürlich spielen Ästhetik, hochwertige Bilder und ein stimmiges Setting eine Rolle. Sie schaffen Atmosphäre. Aber im Kern zählt für uns etwas anderes: die Geschichte und die Menschen dahinter.

Eine gute Dokumentation lebt davon, dass sie ehrlich, nahbar und vielschichtig erzählt ist. Uns interessiert, wie tief wir hinter die Fassade blicken können – zu den Gedanken, Gefühlen und Beweggründen, die eine Geschichte wirklich tragen

Wie nähert ihr euch einem neuen dokumentarischen Projekt an — eher intuitiv oder stark konzeptionell?

Wir nähern uns neuen Projekten mit einer Mischung aus Offenheit und Struktur . Am Anfang steht immer das persönliche Gespräch mit den Beteiligten, wobei wir verstehen wollen, was die Kernfrage des Projektes werden wird.

Im Anschluss entwickeln wir visuelle und erzählerische Leitlinien, die einen Rahmen und eine ästhetische Richtung vorgeben. Doch die Grenzen sind nicht in Stein gemeißelt.

Dokumentarisches Erzählen lebt von der Unvorhersehbarkeit. Wenn sich Situationen verändern oder neue Perspektiven auftauchen, reagieren wir darauf und denken den Ansatz neu.

“Taktwechsel”

Was war die Grundidee hinter “Taktwechsel” und was wolltet ihr damit erzählen oder sichtbar machen?

In der Dokumentation "Taktwechsel" treffen sehr viele verschiedene Parteien aufeinander. Ein Melting Pot aus Musikern, Komponisten und Verantwortlichen aus der Musik- und Veranstaltungsindustrie.

Es treffen Interessen und Erwartungen aufeinander – und das in einem zeitlich sehr komprimierten Rahmen.

Wir wollten den Vorhang lüften, bevor die Anzüge gestriegelt, die Seiten geölt und die Rampenlichter aktiv sind.

Bei der Herausforderung, nach vier Tagen intensiven Probens ein kreatives Meisterwerk zu erstellen, zeigen wir, was es wirklich braucht, damit der erste Ton perfekt sitzt.

“Berlin Kyiv”

Bei Berlin Kyiv: Wie habt ihr diese Reise filmisch gedacht, bevor ihr losgefahren seid — und was hat sich unterwegs verändert?

Unser Ziel war es die Reise so authentisch wie möglich festzuhalten. Wir wollten keine verzerrten Wahrheiten darstellen. Wir wollten alles so festhalten wie es wirklich geschehen ist.

Ein Künstler in Kriegszeiten in der Ukraine.

Das gab es bisher nicht, daher haben wir uns von allem befreiet und das Land auf uns Wirken lassen.

Womit wir nicht gerechnet haben, dass wir so viele tiefgründige Begegnungen mit Menschen festhalten würden.

Die gesamte Dokumentation hätte am Ende über zwei Stunden dauern können, da so viel passiert ist.

Was hat euch auf der Reise in die Ukraine besonders beeindruckt oder berührt?

Ganz besonders die Gespräche mit den Ukrainern. Aus erster Hand die Erlebnisse geschildert zu bekommen, war schon eine prägende Erfahrung.

Die Positivität, mit denen teilweise traumatische Erlebnisse geschildert wurden, ist erstaunlich. Die eigenen Probleme daheim fühlen sich jetzt ganz klein an.

Gab es Momente, die euch nachhaltig begleitet haben?

Als wir mitten in der Nacht das erste Mal Fuß auf ukrainischen Boden gesetzt haben. Wir mussten durch eine Bahnunterführung und zu dieser Uhrzeit waren dort erstaunlich viele Menschen versammelt.

Geschuldet war es den Bombenalarm der kurz zuvor losging. Sowas auch nächster Nähe zu erleben war schon krass.

Das gesamte Setting war einfach passend. Es war mitten in der Nacht, dunkel, es hat geschüttet und ein Soldat hat uns zum Hotel begleitet. Das werden wir nie vergessen.

Gab es eine Begegnung oder Szene während der Dreharbeiten zu Berlin Kyiv, die euch besonders nahegegangen ist?

Im Club in Lviv haben wir ein paar Menschen interviewt, darunter auch einen jungen Mann, wahrscheinlich Ende zwanzig, also unser Alter.

Er hat uns erzählt, dass dies sein einziger freier Tag von der Front ist. Für ihn sei es die Hölle.

Er starrte nur ins Leere und wirkte vollkommen abwesend. Danach mussten wir die Interviews erstmal abbrechen. Wir waren betroffen und seine Worte gingen uns sichtlich nahe

“Berlin Kyiv”

Wie habt ihr die Atmosphäre, die Menschen und die emotionale Lage vor Ort filmisch eingefangen, ohne sie zu kommentieren oder zu bewerten?

Wir waren Beobachter . Manchmal vom Weiten und manchmal aus nächster Nähe. Die Menschen vor Ort und das Land sollten die Geschichte erzählen.

Und trotz der anhaltenden Bombardements, Stromausfällen undNahrungsknappheit sind die UkrainerInnen die mit Abstand herzlichsten und positivsten Menschen, denen wir seit langem begegnet sind. Das durften wir festhalten und dafür sind wir ganz besonders dankbar.

Was nehmt ihr persönlich und künstlerisch aus diesen beiden Projekten (“Berlin Kyiv” und “Taktwechsel”) mit — für eure zukünftige Arbeit?

Sei immer offen gegenüber neuen Menschen, Erfahrungen und Orten. Wer sich vorab dem verschließt, wird nie die wahre Schönheit zu spüren bekommen. Denn diese Schönheit liegt oft nicht in den offensichtlichen Dingen.

Ein großes Dankeschön an Christopher , dass er uns auf seine Reise mitgenommen und die Erfahrung mit uns geteilt hat.

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